This is Afrika!

Erstmal möchte ich mich herzlich bei allen Spendern und Unterstützern bedanken. DANKE, dass ihr mir dieses Jahr ermöglicht habt. Ich habe hier schon so viel erlebt. Seien es die schönen, lustigen oder die bedrückenden, traurigen Momente, ich weiß jetzt schon, dass ich das nie vergessen werde. Mit eurer Hilfe hab ich sehr viel Geld sammeln können. Das versuche ich auch sinnvoll einzusetzen. Jetzt werde ich mir zuerst alles anschauen und dann entscheiden, wo ich es am Sinnvollsten einsetzen kann.

Es ist einfach schon wieder so viel passiert! Da wir hier aber in Afrika sind, geschieht das meiste anders als erwartet. Da gibt es zum Beispiel den Ausdruck T.I.A, was bedeutet „This is Afrika“. Damit ist die „African Time“ gemeint, von der ich letztes Mal schon berichtet habe. Ein Beispiel: Jonas, unser Mentor hier, hat uns am Freitagabend zum Essen eingeladen. Er meinte, dass wir um 6 bei ihm daheim sein sollen. Für deutsche Zeit waren wir schon sehr spät dran. Doch Jonas war in seinem Haus nicht aufzufinden. Letztendlich kam er dann um 8 und hat gemütlich angefangen uns ein super leckeres Mal zu bereiten.

Jonas ist eh ein besonderer Mensch. Er hat nicht wie ein durchschnittlicher deutscher Bürger einen Job, in dem er versucht die Karriereleiter hochzuklettern. Nein, er ist professioneller Tänzer (ihm gehört eine Dance-Company, die auch schon viele Auftritte in Europa hatte), der Boss der Ewaka-Foundation (zusammen mit Eva natürlich), Besitzer des „Ewaka-Guesthouse“, einem Backpacker Hostel, in dem wir zu Beginn hier gelebt haben und wahrscheinlich macht er noch viele andere kleine Dinge, in die wir noch keinen Einblick hatten. Er hat uns versprochen, dass jeder von uns mal einen Tag mit ihm verbringen darf und wir so sehen, wie sich sein Leben gestaltet. Darauf bin ich schon richtig gespannt!

Jonas war auch der, der sich viel um die afrikanische Familie gekümmert, die bei uns wohnt. Das sind Cathy (die Mama), Brenda (ca 19), Faith (ca 16), Emanuel (ca 14), die zwei Zwillinge Eugina und Genevive (beide 8), Hope (7) und der kleine Sawon (ca 3) zusammen. Zudem kommt noch eine Haushaltshilfe namens Stella. Die Kinder sind morgens schon immer sehr aktiv. So kann es sein, dass man am Wochenende schon um 7 Uhr morgens von einem auf-und-ab-hüpfenden Ball geweckt wird. Am Montag kam es dann zum bisherigen Höhepunkt, als Emanuel beim Fußballspielen im Hof unser Fenster eingeschossen hat.
Da wir Deutschen viele Sachen, die auf dem Markt verkauft werden gar nicht kennen, hat Cathy uns vorgeschlagen, dass sie immer mal wieder mit uns zusammen kocht. Am Samstag sind wir also mit ihr auf den Markt gegangen. Das war ein Erlebnis für sich. Es gab so viele Stände mit Obst und Gemüse, dazu konnte man lebende Hühner und Ziegen kaufen. Als dann eine riesige Kuh an uns vorbeigestapft ist und kein Besitzer weit und breit zu sehen war, kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Zurück in der WG haben wir ohne Schneidebretter (das heißt in-der-Luft-versuchen-sich-nicht-in-die-Finger-zu-schneiden) das Essen zubereitet. Es gab Casawa (eine Wurzel, die nach Kartoffeln schmeckt) mit Gemüse und einer zimtigen Soße. Das war sehr lecker und hat auch richtig satt gemacht. Hier essen alle aber immer eine riesen Portion. Das ist mir schon in Ewaka aufgefallen. Da isst sogar der kleine vierjährige Franco das doppelte von meiner Portion!

In Ewaka verstehen wir uns mit den Kids immer besser. Die Foundation besteht aus 8 Kindern und ihrer Mama, namens Esther. Die Kinder heißen Ronald (17), Daniel (14), Margareth (11), Tracy (12), Anne (9), Elizabeth (7), Franco (5) und Ashiraf (5). Wenn wir sie besuchen kommen, laufen wir durch den Slum. Die Kinder der umliegenden Hütten sehen uns und rennen hinterher, weil sie wissen, dass sie jetzt in dem großen geteerten Hof der Ewaka Foundation spielen können. Gibt es aber Mittagessen, müssen alle anderen Kinder wieder heimgehen. Esther hat mich auch schon motiviert ihr beim Kochen zu helfen. Sie hat keinen Gasherd, sondern kocht auf einem Behälter, in dem die Kohle glüht. Vor dem leckeren Essen, das auf dem Boden eingenommen wird, beten alle. Sobald alle ihren Teller leer gegessen haben, werden wieder Lieder über Jesus und Gott gesungen, die sehr viel Pep und Rhythmus haben. Es macht richtig Spaß zuzuhören. Wenn nach Esthers Meinung genug gesungen wurde, darf jedes Kind einmal laut beten. Das hat mich sehr berührt. Jeder einzelne bedankt sich für den wunderbaren Tag und das Essen, dass sie hatten. Es gibt ja immer noch Menschen, die das nicht haben. Außerdem danken sie uns, dass wir da sind und Zeit für sie haben, sowie Uncle Jonas und Auntie Eva, die das Projekt ja gegründet haben. Zudem kommen alle Sponsoren und Paten aus Deutschland. Ich finde es sehr bemerkenswert, wie gläubig hier die Menschen sind. Wir wohnen ja direkt neben einer Kirche, wo gefühlt 24 Stunden pro Tag was los ist. Sei es Kinderprogramm oder Kirche, man hört meistens die Geräusche oder Lieder bis zu unserem Zimmer.

Northern Bypass Pirmary School

Das ist der Namen der Schule, in der Julian P5 – P7 und ich P1-P4 am Dienstag und am Donnerstag unterrichten werden. Da dieser Schule noch kein Sportplatz zur Verfügung steht (sie kümmmern sich darum), werde ich Mathe und „life skills“ unterrichten. Das Letztere ist ein ziemlich frei angelegtes Fach. Wir dürfen den Kindern erklären, wie man richtig Zähne putzt oder mit Geld umgeht, eben alles was wichtig ist für die Zukunft.
Diesen Dienstag war es dann auch so weit. Wir wurden bei der Assembly (das heißt vor der ganzen Schule) vom Headmaster als die Freunde vorgestellt, die Gott mit einer so schönen Hautfarbe gesegnet hat. Außerdem erklärte er den Kindern, dass wir nur einen Namen haben, im Gegensatz zu den Ugandern hier, die zwei Namen haben. Einen, den lugandischen, geben die Eltern, den anderen christlichen die Kirche. Die Kinder haben alle geklatscht und waren richtig aufgeregt. Der Unterricht läuft hier dann so ab, dass der Lehrer was an die Tafel schreibt und die Kinder das Ergebnis ungefähr drei Mal im Chor wiederholen. Das ist also eine Frage-Antwort-Methode. Danach müssen die Kinder meist für sich eine Aufgabe machen, die der Lehrer mit den Kindern dann korrigiert. Ich hab mit der Mathelehrerin der 4. Klasse ausgemacht, dass ich am Donnerstag meine erste Stunde geben darf. Jetzt bin ich schon richtig aufgeregt! Meinen Unterricht über das Thema Brüche hab ich auf jeden Fall schonmal vorbereitet.

Free time

Am Wochenende waren wir mit Jonas auf einem internationalen Dance Festival im National Theatre von Kampala. Für uns hat es schon am Freitagabend begonnen, da Jonas seine Tänzerfreunde aus dem Kongo und Kenia zu sich nach Hause eingeladen hat. Man können die tanzen he. Da haben wir uns als Weiße so gefühlt wie Roboter die einen Stock im Hintern haben. Es war aber richtig cool mit diesen Leuten in Kontakt zu kommen und ein bis zwei Tanzschritte zu lernen. Am Samstagabend gab es dann einige Vorführungen zum Thema „Urban meets Traditional Dances“. Die Vorführungen am Sonntagabend waren aber mein Highlight. Da gab es so genannte Hip-Hop Dance Battles. Es wurden die verschiedensten Richtungen des Hip Hop entweder in single, double oder group dance als battle ausgetragen. Die Gruppe aus dem Kongo, die wir ja schon kannten, hat die meisten dieser battles gewonnen. Ein phantastischer Abend!

So ich hoffe, dass ich euch einen einigermaßen guten Überblick über meine Erlebnisse der letzten Woche geben konnte. Ich melde mich bald mal wieder!

Viele Grüße und Sula bulungi (Gute Nacht)!

Eine riesen Kuh auf dem Markt

Eine riesen Kuh auf dem Markt

Eine große Auswahl an Früchten und Obst

Eine große Auswahl an Früchten und Obst

Ein sehr belebter Markt

Ein sehr belebter Markt

Phillip, ein Tänzer, den wir auf dem Festival kennengelernt haben. Wir haben unsere Caps vertauscht.

Phillip, ein Tänzer, den wir auf dem Festival kennengelernt haben. Wir haben unsere Caps vertauscht.

Die zwei Jüngsten der Ewaka Foundation. Links Ashiraf und rechts Franco. Hier ist das Peace Zeichen sehr beliebt auf Fotos.

Die zwei Jüngsten der Ewaka Foundation. Links Ashiraf und rechts Franco. Hier ist das Peace Zeichen sehr beliebt auf Fotos.

Julian und ich mit den Ewaka Kindern.

Julian und ich mit den Ewaka Kindern.

Julian (links) und Felix (rechts) beim Gemüse schnippeln. Sie haben ganz unafrikanisch Schneidebretter verwendet.

Julian (links) und Felix (rechts) beim Gemüse schnippeln. Sie haben ganz unafrikanisch Schneidebretter verwendet.

Cathy und Nici mit der Casawa in der Hand.

Cathy und Nici mit der Casawa in der Hand.

Unsere Familie.

Unsere Familie.

Ein Auftritt beim Dance Festival.

Ein Auftritt beim Dance Festival.

Nici und ich mit den Zwillingen, Hope und Sawon.

Nici und ich mit den Zwillingen, Hope und Sawon.

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6 Gedanken zu “This is Afrika!

  1. Liebe Veronika,
    spannend deine Infos und beim Lesen von euren Esseinladungen kriegt man richtig Appetit und auch Lust zu Tanzen. Fehlt nur die passende Musik.
    Alles Gute u viel Erfolg bei Mathe wünscht dir
    Christine

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  2. Liebe Veronika,
    mit großem Interesse habe ich Deine Berichte gelesen und freue mich für Dich und mit Dir! Ich bewundere Deine Entscheidung und kann Dir nur gratulieren.
    Ich bin sehr gespannt auf weitere Berichte und freue mich schon heute.
    Eine gute Zeit und alles alles Liebe und Gute wünscht Dir
    Gisela

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  3. Hallo Vero, das hört sich ja wirklich spannend an … egal tanzen essen oder lehren …. du erlebst wirklich viel … du kannst stolz auf dich sein wünschen dir alles Gute Deine Rübners

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  4. hallo Vero, sitze gerade in Kroatien und habe zum ersten Mal deinen Blog gelesen. klasse, was du alles erlebst! bin auf deine weiteren Berichte sehr gespannt! glG auch von Paul und Franz

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