Jetzt bin ich schon 1 Monat in Kampala…

…und habe viele nette Menschen kennengelernt. Die Ugander auf den Veranstaltungen und Plätzen, wo ich bisher war, sind sehr offen und freundlich. Meistens begrüßt man sich mit „Hey, how are you?“, das von einem Händeschütteln untermalt und der Vorstellung des Namens begleitet wird. So kommt man leicht ins Gespräch. Alle fragen nach, wie es mir in Uganda gefällt und wollen viel über Deutschland wissen und die Sprache lernen. Doch wenn man mal mit welchen länger redet oder nachfragt, haben sie meist eine traurige beziehungsweise beeindruckende Geschichte zu erzählen, wie sie um ihr Schulgeld gekämpft, ihre Mutter verloren haben oder vom Dorf nach Kampala gezogen sind. Mir wird dabei immer mehr bewusst, in was für ein Glück ich hineingeboren worden bin und wie unbeschwert mein bisheriges Leben war.
Was ich aber sehr beeindruckend finde, ist die Kraft und das Durchhaltevermögen, mit der diese Menschen ihren Weg gegangen sind. Außerdem ist mir auch aufgefallen, wie sie sich über die kleinsten Dinge freuen können. Die Boda-Fahrer lachen immer freundlich zurück, wenn man ihnen eine gute Nacht auf Luganda wünscht, genauso wie die Verkäufer in den kleinen Shops sich über ein „Webale.“ (Danke.) einer Weißen noch lange unterhalten können. Die kleinsten Kinder hüpfen eh auf und ab, wenn ihnen ein Muzungu begegnet.
Diese Begeisterungsfähigkeit durfte ich auch erleben, als ich diesen Samstag, nach 5 Stunden Haare flechten (Ich wollte mal ein bisschen afrikanische Kultur an mir selbst ausprobieren!), durch unsere Gegend gelaufen bin und, egal ob groß oder klein, alle haben geschrien: „Wooow Muzunguuuu! You look smart.“ oder „Nice hair!“

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Auch steht hier die Gemeinschaft und Zusammenhalt im Vordergrund. Wenn man abends die staubigen Straßen nach Hause läuft, hört man Jubelschreie, wenn jemand wieder eine Kugel im Billardtisch versenkt hat oder man sieht die kleinen Kinder mit den kreativsten Spielzeugen herumrennen (Bilder folgen davon!) und wenn eins mal dabei stolpert ist sofort der große Bruder zur Stelle.

Geschwisterliebe.

Geschwisterliebe.

Bei dieser Partie haben Julian und ich gegen die locals verloren. Eine Revanche wird folgen..

Bei dieser Partie haben Julian und ich gegen die locals verloren. Eine Revanche wird folgen..

Wenn man durch Kampala fährt, dann fällt einem auf den ersten Blick auf, dass es hier keine genaue Grenze zwischen arm und reich gibt. Ich bin einmal mit dem Boda durch eine ärmere Gegend gefahren und plötzlich stand ein wunderschönes Hotel vor mir. Das hat mich schon schockiert.

Auf den zweiten Blick sieht man aber, das es eine Art Hyrarchie gibt. Die Reicheren wohnen in festen Häusern mit ummauerten Garten und Tor auf dem Berg. Die Slums befinden sich im Tal. Letzten Donnerstag hat es ungefähr eine halbe Stunde wie aus Eimern gegossen. Als Julian und ich dann zum EWAKA Haus laufen wollten, war dies mit Schwierigkeiten verbunden, da alles unter Wasser stand. Dieses ist nämlich den Gesetzen der Physik gefolgt und hat sich im Tal gesammelt. Der sandige Boden konnte dies nicht schnell genug aufnehmen, so dass das Wasser bei manchen Hütten echt bis zur Türschwelle stand.

Dieses Foto hab ich leider erst aufgenommen, als die Hälfte des Wassers schon versickert war.

Dieses Foto hab ich leider erst aufgenommen, als die Hälfte des Wassers schon versickert war.

Bisher hab ich von diesen Gegenden noch nicht viele Bilder gemacht, weil ich mich dabei einfach unwohl fühle. Ich hoffe ihr habt dafür Verständnis.

Von meinem Leben hier kann ich aber nur das Gegenteil behaupten. Ich fühle mich hier wirklich wohl!

Ich lerne Kampala immer besser kennen und es gibt jede Menge was es noch zu entdecken gibt. Es ist auch immer was geboten. Sei es die Jam Session am Montagabend (bei Live-Reggea-Musik treffen Freiwillige auf local people), Salsa Night am Dienstag, eine sehr gute live-Band am Mittwoch in der „Zone 7“, eine Tanzstunde bei Antonio am Donnerstag und das „Bayimba“-Festival (international art & music) am Wochenende. So sah mal das Programm der vergangenen Woche aus. Da kann einem gar nicht langweilig werden. Auch macht es mit der Gruppe, mit der wir bisher immer unterwegs waren, richtig Spaß in Clubs zu feiern. Sie besteht größtenteils aus Tänzern, die wir über Jonas kennengelernt haben. Da kann ich mir auf jeden Fall was abschauen und dazulernen. Ein Highlight dieses Wochenende war deshalb auch die „silent disco“ auf dem Festival. Jeder bekommt Kopfhörer und die DJ s mixen auf zwei verschiedenen Kanälen eine unterschiedliche Art von Musik. So kann es sein, dass der eine gerade chillig im Takt der Musik mitwippt, während sein Nebenmann so schnelle Bewegungen macht, dass man mit den Augen kaum noch folgen kann. Nimmt man zwischendrin die Hörer ab, kann man sich gut unterhalten und hört nur leises Mitsummen der Liedtexte. Coole Erfindung auf jeden Fall!

Die Silent Disco.

Die Silent Disco.

Ein Stand auf dem Festival. Hier konnte man afrikanische Kunst und Handwerk bewundern.

Ein Stand auf dem Festival. Hier konnte man afrikanische Kunst und Handwerk bewundern.

Ein Update zur EWAKA Foundation gibt es auch. Letzte Woche waren wir in Jinja, wo Jonas ein Land gefunden hat, worauf wir ein Haus bauen können. Es ist sehr groß und nahe an einer Schule gelegen. Jetzt müssen wir es nur noch kaufen. Dazu brauchen wir aber noch ein wenig finanzielle Unterstützung. Es ist die perfekte Alternative zu einem neuen Haus in Kampala, da dort genügend Platz für ein größeres Haus ist, was für mehr Kapazität für die Aufnahme von neuen Kindern in den nächsten Jahren sorgt. Der Plan ist aber dort zuerst eine Unterkunft für die jetzige EWAKA Familie zu schaffen.

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Wir haben die Nilquelle, die nahe bei Jinja per Boot besucht. Von links nach rechts: Isaac, Felix, Julian, Rosa, Nici, ich und Ruth.

Übrigens finden die Kinder das deutsche Après-Ski-Lied „Das rote Pferd“ supercool. Als ich ihnen den Text übersetzt und die Bewegungen gezeigt habe, konnten sie gar nicht mehr aufhören darauf zu tanzen. Als sie mir dann traditionelle Tanzformen beibringen wollten, hab ich mich eher ungelenkig gefühlt. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht diese Formen von Kultur auszutauschen. Da kann einem die Arbeit hier nur Spaß machen.

Das Singspiel "Empompie" hat den EWAKA Kids sehr viel Spaß gemacht. Erklären musste ich es aber mit vollem Körpereinsatz, da die Straßenkinder ja kein Englisch verstehen.

Das Singspiel „Empompie“ hat den EWAKA Kids sehr viel Spaß gemacht. Erklären musste ich es aber mit vollem Körpereinsatz, da die Straßenkinder ja kein Englisch verstehen.

Sonnige Grüße an das kälter werdende Deutschland!

Eure Veronika

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