Eine andere Kultur entdecken…

Ich hab mal versucht in einer Tabelle die Unterschiede des täglichen Leben hier in Uganda zu Deutschland zusammenzufassen:

Deutschland Uganda
Verkehr:
Geteerte Straßen mit Ampeln, rechts vor links, viel zu viel Straßenschilder. Viele Autos, morgens und abends Stau (bis zu 2 Stunden still stehen), kaum erkennbare Regeln, viel Gehupe, wenig Ampeln und viel Staub.
Essen:
Es wird mit Messer und Gabel gegessen.

Wie es hier mit der Herkunft der Produkte aussieht wisst ihr ja selbst…

Außerdem ist alles schon vorsortiert und abgepackt.

Traditionell isst man auf dem Boden mit den Händen.

Wenn man Huhn oder Ziege in einem local restaurant bestellt, kann man sich sicher sein, dass die Tiere ein schönes freies Leben auf den Straßen von Kampala gehabt haben. Auch die Pommes kann man sich frisch frittiert auf der Straße kaufen. Man muss selbst die schlechten Bohnen aussortieren bzw. die Steine aus dem Reis. Aber ich glaube über das Essen werde ich nochmal einen extra Blogeintrag schreiben.

Familie:
Es werden so wenig Kinder wie möglich gezeugt, da die Karriere im Vordergrund steht. (Ok das ist übertrieben. Durchschnittlich 2 Kinder pro Familie.) Kinder sind die Altersvorsorge, deshalb zeugt man so viele wie möglich. Außerdem nehmen die Ugander das mit der Treue nicht so genau. So hab ich von einem Ugander gehört, der mit 9 Frauen 90 Kinder gezeugt hat!
Schule:
Die neuen Referendare versuchen möglichst viel Gruppenarbeit und neue Methoden der Pädagogik in den Unterricht zu bringen. Die Kinder wiederholen im Chor, was der Lehrer an die Tafel schreibt. Diese Methode wird auch im Alltag oft verwendet. Außerdem stehen sie auf, wenn sie was zu sagen haben und knien auch vor dem Lehrer nieder, wenn sie fragen, ob sie aufs Klo dürfen. Die Kinder werden nicht so betütelt und umsorgt.
Geld:
Der Geldbeutel ist viel zu prall wegen den vielen kleinen Münzen. Schon umgerechnet 25 Cent gibt es in Scheinen. Man fühlt sich manchmal wie ein Millionär mit einem Bündel von Scheinen, der auch „nur“ 5 Euro wert sein kann.
Waschen:
Mama bzw. die Waschmaschine wäscht. Es wird in mehreren Waschgängen die Wäsche per Hand gewaschen. Das musste ich erstmal lernen! Danach wird sie auf die Leine gehängt. Das ergibt dann ein buntes Stadtbild.
Kochen:
Auf dem neuesten Herd mit Induktion kann man die leckersten Essen zubereiten. Meist wird auf Holzkohle gekocht. Manche können sich auch einen Gasherd leisten. Öfen sind eher selten vorzufinden.
Berühmtheiten:
Verstecken sich vor den Massen und geben hin und wieder mal ein Interview. Ich glaube durch Jonas sind wir hier in einen ganz bestimmten Kreis gekommen. Die meisten unserer Freunde hier haben ein Talent, mit dem sie mehr oder weniger berühmt sind. Ich habe hier jede Menge Tänzer kennengelernt, die schon den ein oder anderen Auftritt in Europa bzw. den USA hatten. Ich bin immer wieder beeindruckt von ihren moves. (Googelt mal Tabu Flo oder Keiga Dance!) Auch hab ich letztens den Sänger Maurice Kirya kennengelernt. Seine Lieder sind nur zu empfehlen. Hört doch mal rein. Erst am Montag hab ich dann erfahren, dass Abramz mit dem deutschen Rapper Marteria das Lied „Blue Uganda“ gesungen hat. Als Nici und ich das Video angeschaut haben, sind uns einige Gesichter sehr bekannt vorgekommen. Es ist hier aber allgemein so, dass die sogenannten Stars den Menschen viel näher kommen. Das letzte Mal in der Zone 7 hat Bebe Cool, der zu den 4 bekanntesten Sängern Ugandas zählt einen live-Auftritt gehabt (die anderen 3 sind Bobi Wine, Radio & Weasel und Cameleon, den man auch öfters im „Bubbles“ feiern trifft).
Wetter:
Es gibt vier Jahreszeiten. Meistens ist der Winter zu warm und der Sommer zu kalt. Meist schön angenehm warm. Es können sich innerhalb von einer halben Stunde riesen Gewitterwolken bilden. Das heißt, dass es danach ungefähr eine halbe Stunde wie aus Eimern gießt und es danach noch heißer ist. Während dem Regen stoppt das Leben in Uganda. Regen ist auch eine Entschuldigung nicht in die Schule zu kommen.
Sprachen:
Ab der 1. Klasse lernt man Englisch. In den weiterführenden Schulen kann man je nach Belieben meist Französisch, Latein oder Spanisch hinzufügen. Meine Mitbewohner würden jetzt noch sagen, dass ich ja auch noch eine andere Sprache spreche und zwar Schwäbisch. Ich mein i schwätz ja koi broites Schwäbisch, aber es gibt immer wieder witzige Situationen, in denen die anderen über meine Aussprache bzw. Wortwahl lachen müssen. Der Unterricht findet in Englisch statt. Schon in der Baby Class (erstes Jahr im Kindergarten) wird Englisch unterrichtet. Was ich ziemlich witzig finde ist, dass die Ugander hinter viele Worte ein „i“ setzen. So sagen sie zum Beispiel „firsti“ oder „plusi“. Außerdem setzt man hinter jeden Namen ein „o“ oder „i“. (Z.B. Nicolo oder Felixi). Den Unterschied zwischen „r“ und „l“ gelingt vielen nicht. Die Meisten hier können so viele Sprachen sprechen, da es ja schon innerhalb von Uganda ca 43 verschiedene Sprachen gibt. Man braucht also ein ziemlich gutes Sprachgefühl, wenn man hier aufwächst.
Fußball:
Es gibt sehr viele Vereine und auch viele unterschiedliche Arten und Interessen ein Fan zu sein. Eigentlich wird überall Fußball gespielt, auch im größten Matsch. Auch in jeder kleinsten Bar wird Fußball aus Europa übertragen. Die meisten Leute hier sind Arsenal, Manchester oder Chelsea Fans. Beim deutschen Fußball kennt man aber nur Bayern München.
Religiösität:
Naja, ich würde mal sagen, es gibt viele religiöse Menschen in Deutschland, aber die Zahl sinkt eher, als dass sie steigt. Die Menschen glauben sehr an Gott. Es gibt viele Kirchen, wo die ganze Woche Programm ist. Auch auf den Taxis (Matatus) sieht man viele Schriftzüge, wie „The Lord is with us.“
Haare:
Man geht hin und wieder zum Friseur, wo man sich auch ab und zu mal einen neuen Haarschnitt zulegt. Hier findet man an jeder Ecke Frauen, die ihren Kindern gerade neue Zöpfe flechten. Auch wird hier ziemlich oft der Haarstyle geändert. Eine Freundin hatte jetzt innerhalb von einem Monat drei verschiedene Frisuren (erst kurze, dann rote Haare, dann lange Flechtezöpfe). Es kommt aber natürlich auf das Einkommen an, wie oft man das wechseln kann. Ein Mädchen, das immer zu Ewaka kommt, hat zum Beispiel nur die Hälfte ihres Kopfes mit Flechtezöpfen bedeckt, da sich ihre Mama gerade die andere Hälfte nicht leisten kann. In der Schule müssen die Kinder aber aus hygienischen Gründen kurzrasierte Haare haben. Es gibt auch viele Frisuren, wo man nur Wolle in die Haare einflicht.
Regeln:
Regeln sind zum Einhalten da. Bei Verstößen folgt eine angemessene Strafe. Ivan, ein Ugander, hat mal gemeint, in Uganda versucht man so viele Regeln wie möglich zu brechen. Zum Beispiel gibt es da so ein Schild „Police notice – no parking“. Ich habe noch nie erlebt, dass neben so einem Schild kein parkendes Auto stand. Wenn die Polizei aber mal bemerkt, dass eine Regel gebrochen wird, dann kommt die Korruption ins Spiel.

Man versucht hier aber auch immer möglichst viele Menschen in ein Auto zu quetschen. So waren wir schon 14 Leute in einem kleinen VW-Bus.

Orts-und Zeitangaben:
Deutsche Pünktlichkeit ist ja eh auf der ganzen Welt bekannt. Auch die Ortsangaben stimmen meist mit dem Ziel überein (außer bei Navis). Ich sag nur „African Time“ und so. Da könnte ich unzählige Erlebnisse auflisten, in denen ich das schon erlebt habe. Die Ortsangaben sind meist auch nicht sehr genau. Wenn man fragt, wo man denn genau hinkommen soll heißt es nur „around…“. Zum Beispiel hat mir mal ein Freund auf die Frage, wo er wohnt geantwortet: „In der Nähe, wo du arbeitst.“
Namen:
Die Eltern entscheiden, wie viele Namen ihr Kind hat. Die Kinder bekommen einen Namen von ihren Eltern und einen von der Kirche. Viele haben auch noch einen Künstlernamen, den sie mit aka … vorstellen.
Weiß/Schwarz:
Naja, da kommt es glaub ich ganz drauf an, in welchen Kreisen man sich befindet. Ausländer sind keine Besonderheit. Die Kinder und auch viele Erwachsene freuen sich, wenn ein Weißer vorbeiläuft. Sie singen dann „muzunguuu“.
Grundstück:
Das Grundstück ist von einem Zaun umrandet und das Auto findet einen Parkplatz auf der Straße. Die Häuser sind von einer hohen Mauer mit Stacheldraht oben drauf und einem Tor umrandet. Die Autos hupen davor so lange, bis jemand aufmacht. Die Straßen sind nicht dazu gemacht, dass dort jemand parken kann.
Strom- und Wasser:
Wasser aus dem Wasserhahn kann man trinken. Beides steht im Überfluss zur Verfügung. Hier sind Strom-und Wasserausfälle Normalität. Das Wasser aus dem Wasserhahn kann man nicht trinken.
Berührungen:
Bei Begrüßungen schüttelt man sich steif die Hand. Umarmen tut man nur die guten Freunde. Hier wird umarmt und auch sehr viel Händchen gehalten. Das bedeutet, wenn man sich ganz normal mit jemand unterhält, berührt man sich meist mit den Händen. Insgesamt sind die Menschen hier sehr „touchie“.

Ich glaube zu dieser Liste kann ich im Laufe des nächsten Jahres noch einiges hinzufügen. Vor allem, weil ich ja bisher erst Kampala als Großstadt gesehen habe und noch nicht auf dem Land war. Vielleicht poste ich in nem halben Jahr oder so Fortsetzung 2. Außerdem beruht diese Tabelle auf eigener Erfahrung. Ich kann nicht für Richtigkeit garantieren.

So sieht das Wasser nach einem normalen Waschgang aus...

So sieht das Wasser nach einem normalen Waschgang aus…

EWAKA:

Letzte Woche haben wir mit den Kids in EWAKA ein Fußballturnier veranstaltet. Am Abend zuvor haben wir Ronald und Daniel die Aufgabe gegeben im Slum die Nachricht zu verbreiten, dass morgen in EWAKA ein Fußballturnier stattfinden soll. Ich habe mit so ca 30 Kindern gerechnet. Was wir jedoch am nächsten Tag vorfanden waren 60-70 hochmotivierte Kinder im Alter von 2-18 Jahren. Da wir eine Altersbegrenzung festgelegt haben, konnten wir am Ende 12 Mannschaften a 4 Spieler stellen. Nach jedem Spiel durften die Kids sich mit von uns und mit euren Spenden finanzierten Bananen und Wasser stärken. Danke dafür! Während dem Turnier hatten die Kinder viel Spaß, feuerten sich gegenseitig an und der ein oder andere wurde für sein Talent hochgelobt. Zwar gingen 2 Fensterscheiben kaputt und man musste etliche Male rauslaufen um den Ball wieder zu holen, aber im Ganzen gesehen war es ein wunderbarer Tag. Ich freu mich schon aufs nächste Mal! (Hab mich übrigens auch im Fußballspielen versucht und konnte sogar ein Tor erzielen. Dafür wurde ich sofort von allen Seiten beglückwünscht.) Am Ende durften sich die Sieger über je eine Packung Kekse erfreuen.

Schön in einer Reihe aufstellen.

Schön in einer Reihe aufstellen.

Die Kleinen beim Anfeuern.

Die Kleinen beim Anfeuern.

Da werden wohl geheime Absprachen gemacht.

Da werden wohl geheime Absprachen gemacht.

Julian als Schiri. Die Münze entscheidet, welches Team beginnt.

Julian als Schiri. Die Münze entscheidet, welches Team beginnt.

Die weiße Kreide stellt das Tor dar.

Die weiße Kreide stellt das Tor dar.

Flanke. Kopfball. Tor.

Flanke. Kopfball. Tor.

Die Zuschauer waren voll dabei!

Die Zuschauer waren voll dabei!

Und wenn man zu erschöpft war gab es auch einen Rastplatz!

Und wenn man zu erschöpft war gab es auch einen Rastplatz!

Da ich gesehen habe, dass viele Kinder sich aus Tetrapacks oder kleinen Flaschen Spielzeuge basteln, habe ich angefangen meine leeren Flaschen zu sammeln. Am Wochenende hab ich sie dann zu Ewaka mitgebracht, wo diese Spielzeugautos entstanden sind. Die Kinder haben sich so gefreut und als fertig gebastelt war, haben sie Rennen veranstaltet.

In den Startlöchern..

In den Startlöchern..

Auch die Kleine hier ist glücklich über eine selbstgebaute Rassel. (Ein Stock in der Flasche.)

Auch die Kleine hier ist glücklich über eine selbstgebaute Rassel. (Ein Stock in der Flasche.)

links Anne und rechts Ronald

links Anne und rechts Ronald

Elizabeth mit ihrem Auto.

Elizabeth mit ihrem Auto.

Mangospeed.

Mangospeed.

Matthew am werkeln..

Matthew am werkeln..

Und freundlich grüßt Veronika!

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