Pures Afrika

Esther, die Mama der EWAKA Foundation wollte mich und Julian unbedingt ihrer Familie auf dem Dorf vorstellen. Für die Menschen dort ist es etwas sehr Seltenes, wenn man einen Muzungu als Freund hat. Am Sonntagmorgen sollten wir um 7 Uhr startklar sein. Wie gewohnt sind wir nach African Time erst um 10 Uhr mit dem Matatu aus Kampala rausgefahren, um vier Stunden gen Osten nach Pallisa zu fahren. Esthers Halbbruder Steven hat uns begleitet. So eine Matatufahrt ist schon etwas Besonderes. Vor allem, wenn man neben zwei beleibteren ugandischen Mamas eingequetscht sitzt und ihren Gesprächen, die den ganzen Bus unterhalten, zuhören muss und doch nichts versteht. Auf dem Hauptplatz der Stadt angekommen gings mit dem Boda weiter Richtung Dorf. Wir sind eine kerzengerade, mit dem typischen roten Sand belegte Straße entlang gefahren, vorbei an Feldern und wunderschönen großen Steinen, die einfach mitten in der Landschaft stehen. Das war der Zeitpunkt als man das erste Mal die Weite der Ebene gesehen hat. Begrüßt wurden wir sehr herzlich von der Familie von Esthers ältestem Bruder und ihrem Vater. Hier ist es üblich, dass die Gäste sofort einen Stuhl hingestellt bekommen und man sich setzten muss. Leider konnte ich meine stolz erworbenen Luganda Kenntnisse hier nicht einsetzen, da die Stammessprache Atesso ist. Außerdem lernen die Kinder erst in der Secondary School Englisch. Das hat die Kommunikation ein wenig erschwert. So standen dann ungefähr 20 Kinder schweigend um uns herum und haben uns angestarrt. Ich glaube viele von ihnen haben das erste Mal in ihrem Leben einen Weißen gesehen. Esther ist dann von Hütte zu Hütte mit uns gelaufen. Irgendwie war sie mit allen verwandt. Entweder war es der Bruder ihres Cousins oder die Mutter ihrer Tante. Irgendwann hab ich da den Überblick verloren. Alle haben uns aber herzlich begrüßt und sich richtig gefreut, dass wir sie besuchen. Üblich ist zur Begrüßung eine Art Ping-Pong-Spiel. Man sagt Hallo und fragt danach wie es den Kindern geht und so weiter. Auf unserem Weg sind uns immer mehr Kinder gefolgt. Bis wir an der Schule angekommen sind, waren es bestimmt über 50! Ich habe einen Jungen mit Ball gesehen und ihm per Handzeichen zu verstehen gegeben, dass er ihn mir zuwerfen soll. Dann ging der Spaß erst richtig los. Die zuvor etwas schüchternen Kinder haben gekreischt und gelacht, wenn Julian und ich den Ball geworfen haben. Wie so ein Spielzeug doch alles verändern kann…

Apropos Spielzeuge: Ich habe hier noch mehr selbstgebastelte gesehen. Darunter waren eine Steinschleuder und eine Art Gitarre, die aus einem Stock, einer leeren Plastikflasche als Klangkörper und mit an Nägeln befestigten Schnüren bestand. Die Töne, die sie von sich gegeben hat, haben sich echt schön angehört.

Als Esther mir ein Wort: „Kato!“ (Los geht’s!) beigebracht hat, bin ich mit einer Horde lachender Kinder den Trampelpfad entlang losgerannt. Man war das ein Glücksgefühl!
Als wir wieder bei dem Haus von Esthers Vater angekommen sind, haben die Kinder mir irgendwie alles nachgemacht. Also hab ich angefangen einen Rhythmus auf meinen Schenkeln zu klopfen und unser gutes altes Zeltlagerlied „Fli/Fly“ zu singen. Die Reaktion darauf war: „Again!!!“. Also haben wir es noch ein paar Mal gesungen. Das hat soo Spaß gemacht.

Esther hat uns später ein Gespräch zweier Jungs übersetzt. Der eine hat gefragt: „Woher kommen die denn?“. Darauf hat der andere mit vollem Ernst geantwortet: „Vom Himmel!“.

Die Hütten sehen hier auf dem Dorf so aus, wie das typische Bild, das man von Afrika hat. Eine Familie stellt ihre runden Hütten mit Strohdächern meist in einem Kreis um das Haupthaus auf. Drumherum sind die Felder, auf denen sie Casawa, Kartoffeln, Reis und noch paar andere Nahrungsmittel anbauen. Ich bin gleich eingeladen worden, das nächste Mal, wenn ich komme, bei der Feldarbeit mitzuhelfen und danach ein leckeres Abendessen aufgetischt zu bekommen. Das hört sich seeehr verlockend an.

Abends hat es dann leider gewittert, sonst hätte man bestimmt den Sternenhimmel gesehen, da es hier noch keinen Strom gibt und alles ganz dunkel ist. Dafür gab es aber frisch gekochtes Hühnchen mit Millet. Sehr lecker!

Am nächsten Morgen gings wieder auf Besuchstour. Dieses Mal zu Esthers Schwester. Als wir auf dem Weg zu ihr am Dorfplatz und der Schule vorbeigefahren sind, standen alle Schulkinder da und haben gewunken. Da wir in der Nähe eines Sees waren, haben uns die Männer auf etwas undichten Holzbooten mit hinaus aufs Wasser genommen, wo wir Kinder beim Angeln getroffen haben. Die Hauptfischzeit ist aber morgens und abends around 7. Zum Abschied haben wir einen Hahn und eine Henne geschenkt bekommen, die wir am Sonntag schlachten wollen. Den Transport von den beiden fand ich ganz amüsant. Man hat sie in eine Plastiktüte gesetzt und ein Loch für die Köpfe gemacht. So durften sie uns auf unserer Reise auf dem Boda und dann im Matatu begleiten. Insgesamt war das für mich hier, obwohl ich schon wirklich tolle Dinge erlebt habe, ein richtiges Highlight. Die Natur ist unbeschreiblich schön und die Menschen waren so offen und freundlich. Deshalb ist dieser Eintrag glaub ich auch ein bisschen unzusammenhängend geschrieben, da die zwei Tage einfach überwältigend waren. Tschuldigung!

Ein Teil von Esthers Großfamilie.

Ein Teil von Esthers Großfamilie.

Das war noch nichtmal die Hälfte aller Kinder die uns gefolgt sind.

Das war noch nichtmal die Hälfte aller Kinder die uns gefolgt sind.

Jaa die Kinder sind immer sehr aufgeregt, wenn eine Kamera vor ihrem Gesicht auftaucht.

Jaa die Kinder sind immer sehr aufgeregt, wenn eine Kamera vor ihrem Gesicht auftaucht.

Hühner, Ziegen, Fahrrad. Das ist der typische Besitz der Menschen hier.

Hühner, Ziegen, Fahrrad. Das ist der typische Besitz der Menschen hier.

von links nach rechts: Veronika, Esthers Tante, Esthers Papa, Esther

von links nach rechts: Veronika, Esthers Tante, Esthers Papa, Esther

Ich würde sagen, dass das ein typisches afrikanisches Bild ist.

Ich würde sagen, dass das ein typisches afrikanisches Bild ist.

So ein schönes Panorama!

So ein schönes Panorama!

Mit einem dieser zwei Boote sind wir auf den See hinausgefahren.

Mit einem dieser zwei Boote sind wir auf den See hinausgefahren.

Die Kinder haben schon zwei kleine Fische gefangen.

Die Kinder haben schon zwei kleine Fische gefangen.

Hahn und Henne in der Tüte.

Hahn und Henne in der Tüte.

Aber ein kleines Problem hab ich damit, wie wir so verehrt wurden. Ich mein ich bin schon oft auf der Straße angesprochen worden, ob ich nicht Geld geben kann. Aber hier im Dorf hat man noch mehr gespürt, was für eine Ehrfurcht die Leute vor uns haben, obwohl wir doch nur eine andere Hautfarbe haben. Dieses Bild würde ich gerne ändern. Mich macht es echt traurig, dass das nicht so einfach geht, da das in der Kolonialzeit den Menschen so arg eingetrichtert wurde.

Naja man kann ja im Kleinen anfangen. Dazu eine kleine Begebenheit: Als wir Esthers blinden Opa besucht haben, hat Julian ihm die Hand geschüttelt und gefragt, ob er jetzt irgendeinen Unterschied merkt. Er hat verneint…

Bis zum nächsten Mal,

eure Veronika

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2 Gedanken zu “Pures Afrika

  1. Hallo Vero,
    es freut mich ungemein, dass es Dir in Uganda soooo gut gefällt. Ist ja auch ein super Land! Bleib weiter so motiviert und optimistisch und danke für deine super-blogs! Lass dich nicht unterkriegen
    Hansi

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  2. Liebe Veronika,
    es ist einfach unglaublich, was Du alles schon erlebt hast in den letzten Wochen! Wir freuen uns jedes Mal über einen neuen Blog von Dir, über Deine eindrücklichen Erzählungen und natürlich auch die Fotos… Du machst das einfach ganz toll. Herzlichen Dank, dass wir dadurch so viel von Deinen Eindrücken und Deinem momentanen Leben mitbekommen dürfen!
    Viele liebe Grüße von uns Allen, genieße die Zeit, Christine

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