Reiselust

Den letzten Monat haben Nici und ich noch ausgenutzt, dass wir durch unsere workpermit keine Visakosten in Ostafrika haben. Erst waren wir mit unserer Freundin Vici bei der traditionellen Hochzeit ihrer Schwester in Kenia auf dem Dorf. So eine Feier findet vor der kirchlichen Trauung statt. Die Braut wird der Familie des Bräutigam vorgestellt und es wird über den Brautpreis verhandelt.

Früh morgens sind wir auf dem Anwesen der Familie angekommen und haben erstmal geholfen zu spülen, während die anderen Frauen gekocht haben. Dann hat das Warten angefangen. Es sind schon einige Gäste eingetrudelt, also haben Nici und ich uns fertig gemacht und durften weiter warten. Irgendwann kam dann die Familie mit dem Bräutigam. Hier gibt es halt nicht so den ganz genauen Zeitplan. Zum Mittagessen gab es ein leckeres Buffet und gleich danach haben alle Mädels der Familie und ihre Freunde die Braut ins Haus und zu ihrem zukünftigen Mann begleitet. Es wurde gesungen und dann musste jeder etwas zum Brautpaar sagen und ihnen Glück für eine lange Ehe wünschen. Alle Männer von beiden Familien sind im Haus geblieben und haben verhandelt, dass der Brautpreis 2 Ziegen und eine Kuh ist.

War auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und etwas Besonderes bei so einer Feier dabei zu sein. Pius, ebenfalls ein guter Freund von uns und professioneller Fotograf, war auch dabei und hat viele schöne Bilder gemacht.

Den Sonntag haben wir mit Vici und Pius in Kisumu, einer kleinen Stadt nahe des Viktoriasees, verbracht und waren zum Abendessen bei Vicis Onkel eingeladen. Zwar haben wir nicht sehr viel von Kenia gesehen, aber insgesamt war es ein sehr schöner Wochenendtrip.

Zwei Wochen später ging es für Nici und mich nach Ruanda. Unseren eigentlichen Bus haben wir verpasst, da wir NUR 15 Minuten zu spät waren. Das war dann gleich die Einstimmung auf Ruanda, da dort alles sehr geordnet und geregelt und auch pünktlich abläuft. Zum Glück konnten wir den Nachtbus nehmen und sind am nächsten Morgen sehr verschlafen in der Hauptstadt Kigali angekommen. Bei Shaban, einem Ruander, den wir über andere Freiwillige kennengelernt haben, konnten wir übernachten. Zum Mittagessen sind wir in die Stadt gegangen und haben uns wie in Europa gefühlt. Jedes Boda bzw. dort genannte Motos, hält einen Helm für seinen Kunden bereit. Außerdem ist es sehr sauber. Überall gibt es Mülleimer, geteerte Straßen (tat echt mal ganz gut aus dem staubigen Kampala rauszukommen) und seit einiger Zeit sind in ganz Ruanda Plastiktüten verboten! Es gibt auch keinen Traffic und als wir gesehen haben, dass eine Frau ihr Handy offen in der Hand hielt und so herumgelaufen ist, kamen wir aus dem Staunen kaum noch raus. Das wäre in Kampala schon lange weg gewesen. Im Laufe der nächsten Woche sind uns noch mehr Unterschiede zu Uganda aufgefallen, wie zum Beispiel die Straßenlaternen, die in der Nacht alles erhellen, die Linienbusse und geordneten Haltestellen und dass es überhaupt kein Straßenessen gibt. Das ist schon ein Nachteil, wenn man auf dem Weg mal so richtig hungrig ist und nirgendwo gibt es schnell ein Rolex.

Vom Genozid von 1994 in Ruanda, habe ich in meinem bisherigen Leben noch nichts gehört gehabt. Der ist wohl in den Medien auch ziemlich untergegangen. Hier ein Link zu dem Hintergrund und der Geschichte von Ruanda. Der Verfasser ist der Mentor unserer Freiwilligen in Tansania und war ebenfalls bei unserem Zwischenseminar im April dabei.

https://oneyearintanzania.wordpress.com/2016/04/07/memorial-week-wie-das-morden-zum-alltag-wurde-teil-i/

https://oneyearintanzania.wordpress.com/2016/04/08/memorial-week-wie-das-morden-zum-alltag-wurde-teil-ii/

https://oneyearintanzania.wordpress.com/2016/04/09/memorial-week-wie-das-morden-zum-alltag-wurde-teil-iii/

Nici und ich haben erst die Gedenkstätten Nyamata und Ntarama besucht. Zwei Kirchen, in der über 1000 Menschen während der Zeit des Völkermordes Zuflucht gesucht haben. Alle, die sich dort versammelt haben wurden ermordet. Es war schon echt grausam aber auch einfach unvorstellbar die ganzen Schädel und Kleider der Getöteten dort zu sehen. Auch hat man noch Blutflecken sehen können, wo Kinder gegen die Wand geschleudert wurden. Da frag ich mich immer, was in einem Menschen passieren muss, dass er so hassen kann…
In der Hauptgedenkstätte in Kigali wurde man mit einem Kurzfilm eingeführt, in der Überlebende erzählen, wie ihr weiter geht. Sehr berührend fand ich, dass einer sagte, dass er jedem Täter verzeihen würde, der zu ihm persönlich kommt und sich entschuldigt. Bisher war noch keiner da. Durch schön dargestellte Schautafeln wurde man durch die Geschichte Ruandas und die Entwicklung bis zum Völkermord geführt. Anschließend gab es noch einen Teil, wo die Völkermorde in Deutschland, Kambodia, Türkei, Bosnien und Namibia dargestellt wurden. Das fand ich sehr gut, weil dadurch veranschaulicht wird, dass der Genozid in Ruanda nicht einmalig war.

In einem anderen Teil wurden Fotos von ermordeten Kindern gezeigt und einen Steckbrief dazu. Das war sehr, sehr berührend, da so ein Steckbrief zum Beispiel das Lieblingsesssen aufzeigte und darunter wurde die Art des Todes genannt. Der Leitspruch des Ganzen war „NEVER AGAIN!“. Ich hoffe echt, dass immer mehr Menschen daraus lernen und so etwas nie wieder passiert.

Wir sind dann weiter zum Lake Kivu nach Kibuye gefahren. Dort hatten wir echt eine sehr ruhige Zeit und haben uns am schönen Seeufer gesonnt und mal nochmal ganz entspannt. Weiter ging es mit einem Boot nach Gisenyi. Das war auch so ein Erlebnis, dass mir immer im Gedächtnis bleiben wird. Wir haben uns ganz normal ein Ticket gekauft und wie alle anderen auf das Boot gewartet. Als es anlegte ging eine Massendrängelei los und es wurde sich richtig geprügelt und geschubst, wer als erstes aufs Boot darf. Als wir dann auch endlich im stickigen Boot waren, wurde uns klar, weshalb so ein Panik ausgebrochen war. Es wurden gar nicht alle Menschen mit Ticket aufs Boot gelassen. Trotzdem waren doppelt so viele Menschen darauf, wie eigentlich vorgesehen. Das hat man auch gemerkt, als es ablegte und kurz nach links kippte und alle geschrien haben. Da hat dann jeder nach den Schwimmwesten gegriffen. Kurz hab ich mich schon wie auf einem Flüchtlingsboot gefühlt. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir endlich an und sind weiter nach Musanze zu den Vulkanen gefahren, wo wir bei Dana, ebenfalls einer Freiwilligen unterkommen konnten. Leider haben wir nicht das beste Wochenende erwischt und hatten so keine schöne Aussicht auf die Vulkane. Wir sind trotzdem durch die Dörfer gelaufen und haben die Twin Lakes besucht. Nach einer viel zu langen Fahrt zurück nach Kampala (die Fahrer hier rasen echt und dann muss man wieder ne Stunde warten, bis der Bus repariert ist) sind wir erschöpft, aber glücklich wieder daheim zu sein ins Bett gefallen.

Ich möchte gerne dieses Video der US-Embassy mit euch teilen. Es geht um „Girl Empowerment“ und meine zwei kleinen Freundinnen vom BPU, Sanyu und Sharon, spielen die Hauptrolle. Schauts euch mal an. Ich finds super süß!

Hier noch einige Impressionen von den letzten Wochen:

Jetzt genieße ich noch meine 3 letzten Wochen hier in Uganda. Mit der EWAKA Family werden wir nächste Woche nach Jinja umziehen, wo sie endlich in das neue Haus mit dem großen Garten wohnen können. Dann kommen die neuen Freiwilligen, die wir in das ugandische Leben und unsere Projekte einführen werden.

Bis bald,

eure Veronika

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2 Gedanken zu “Reiselust

  1. Liebe Veronika, hab seit langem mal wieder deinen blog angeschaut. Du wirst immer professioneller. Toll was du in einem Jahr alles gemacht u erlebt hast. Noch alles Gute für den Endspurt u eine gute Heimreise. Wahrscheinlich mit einem lachenden u einem weinenden Auge. Viel Glück !

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  2. Liebe Veronika,
    wir freuen uns riesig, dass Du in ein paar Tagen wieder zuhause sein wirst! Hoffentlich gibt es dann bald ein Wiedersehen mit Dir! Ich kann mir gut vorstellen, dass es Dir sehr schwer fällt, Deine „zweite Heimat“ zu verlassen und Dich vor allem von den Menschen und Kindern, die Du lieb gewonnen hast, zu verabschieden… aber es warten zuhause sicher neue, spannende Projekte auf Dich – Stichwort Studium! Danke, dass Du uns immer so regelmäßig und mit interessanten Beiträgen und Bildern auf dem Laufenden gehalten hast.
    Wir wünschen Dir noch wunderschöne Tage in Afrika und eine gute Rückreise.
    Herzliche Grüße von der ganzen Familie!

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